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Eröffnung «Treff» Gerzensee
Etwas kalt war es, beim offiziellen Akt in Gerzensee. Wie die Sänger des Männerchors waren die meisten Anwesende in dicke Jacken gepackt. Der Stimmung schadeten die kalten Temperaturen aber nicht. Schliesslich eröffnete die Bevölkerung von Gerzensee ein schweizweit einmaliges Projekt. In der ehemaligen Poststelle wurde eine öffentliche Bibliothek und ein «Treff» eingerichtet. Und dieser «Treff» macht das Projekt zur Besonderheit. Der Gemeinderat übergibt diesen nämlich mit der Eröffnung an die Bevölkerung. Von diesem Zeitpunkt an ist die Bevölkerung selbst für den «Treff» zuständig. Was soll dort nun geschehen? Eine Kaffee-Ecke ist bereits eingerichtet und lädt zum Verweilen ein. Anlässe sollen folgen. An einer Ideenwand konnten sich die Gerzenseeer/-innen einbringen und taten dies ausführlich, erfreulicherweise über alle Generationen. So schrieb beispielsweise eine Primarschülerin, dass es Computerkurse von Jungen für Senior/-innen geben solle. Solche Ideen werden ganz im Interesse der Gemeinde sein. «Ein Dorf lebt nicht von Angeboten, sondern von Menschen, die mitmachen. Genau dafür wollen wir Platz schaffen», sagte Gemeindepräsident Ernst Hossmann in seiner Ansprache. Anschliessend zerschnitt er mit dem 95-jährigen Louis Winnewisser das traditionelle Band zum «Treff», der Bibliothek und zur Ausstellung der Zeichnungen von Louis, welche als erste Ausstellung das Leben in Gerzensee bereichert.
Hinter dem «Treff» in Gerzensee steht viel Denkarbeit und Philosophie. Die VERD Purpose Genossenschaft und die Fachhochschule Nordwestschweiz begleiten das Schweizer Pilotprojekt. Das Ziel dahinter ist die (Wieder-)Belebung von Dörfern und Quartieren, und dies auch alimentieren zu können. «Traditionelle Geschäftsmodelle zielen darauf ab, den eigenen Gewinn zu vermehren. Wir wollen, dass Geld dorthin zurückfliesst, wo die Menschen leben: in die Dörfer und Quartiere. Denn Geld ist immer genau so gut wie die Menschen, die damit umgehen», sagt Christian Wohlwend, Gründer der VERD Purpose Genossenschaft. VERD ermöglicht mit einem Bezahlsystem (VERD.cash), Geld anstatt zu Grosskonzernen, viele im Ausland, in den eigenen Wohnort zu lenken. In der Summe geht es in der Schweiz immerhin um ca. 1.7 Milliarden CHF jährlich. In den Gemeinden entscheiden die VERD-Genossenschafter/-innen, was mit dem Geld gemacht werden soll. Mit einem einmaligen "Fünfliber" wird manGenossenschafter-/in von VERD. Noch sind die Beträge klein, welche in die Gemeinden fliessen. Je mehr mitmachen und mit VERD.cash bezahlen, desto mehr Geld fliesst in die Gemeinden zurück.
